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Auto und Verkehr gehören wohl untrennbar
zusammen – auch wenn Bahn und Flugzeug ebenfalls zu den modernen
Verkehrsmitteln zählen und speziell über weite Strecken wohl weitaus
effizienter sind. Trotzdem sind Auto und Verkehr das Non-Plus-Ultra,
selbst in Zeiten von Billigfliegern nutzen viele das Auto selbst für die
Fahrt in den Urlaub.
Das Auto mutierte zum ultimativen
Verbindungs-Modul - Länderübergreifend.
Vom Dream Car zum Concept Car
Sie waren eine Mischung aus Jukebox und Coke- Flasche, die
chromschwülstigen stromlinienförmigen „Dreamcars“ der 50er- und 60er-
Jahre. Besonders die amerikanischen Automobilhersteller sorgten damit auf
internationalen Ausstellungen für Furore. Die Aufmerksamkeit des Publikums
konnte diesen Wagen aus den Traumfabriken gewiss sein, denn sie waren
weniger als ernsthafte Studien für zukünftige Modellentwicklungen
konzipiert, sondern gnadenlos futuristisch auf Show Effekte getrimmt,
nicht so, wie heute die
Mercedes Oldtimer sind..
Kein Mensch fuhr denn auch jemals ein derartiges Monstrum, von Batman
einmal abgesehen. Und doch haben die Amerikaner mit ihrem Gespür fürs
Entertainment damals etwas initiiert, das bis heute Bestand hat: Designer-
Träume im Scheinwerferlicht großer Automobil- Ausstellungen gehören längst
zum bewährten Repertoire der feinsinnig inszenierten Shows. Nur nennt sich
das Ganze heute – etwas edler - „Concept
Cars“, die Mercedes Youngtimer der Zukunft.
Darunter sind freilich immer noch Entwürfe, die nur auf den schnelllebigen
Effekt angelegt sind, mit dem bedeutsamen Vorzug, das niemand ein solches
Ding wirklich fahren will, es somit also auch nie ein
Mercedes Gebrauchtwagen wird. Dagegen zeigen allerdings viele
Automobilhersteller zunehmend seriöse Studien, die weit über formales
Imponiergehabe hinausgehen und sowohl im Design als auch in der Technik
eine Fülle innovativer Lösungen vorführen.
So auch Mercedes- Benz. „Advanced Design“ nennt sich eine junge Truppe,
die frei von den beengenden Bandagen des Tagesgeschäftes an dem
Automobildesign von übermorgen feilt. Erst 1988 hat sich dieses Team mit
12 Mitarbeitern etabliert – bescheiden in einem Designbereich, der
insgesamt 320 Personen umfaßt. Hier wird dann ein
Mercedes Test nach dem anderen abgearbeitet.
Schon das Seriendesign denkt weit in die Zukunft. Geht man einmal von
einer Gesamt- Entwicklungsdauer von 6 Jahren aus, so müssen die Designer
bereits nach 2 Jahren konkrete Aussagen über die Form eines Fahrzeugs
machen, das erst 4 Jahre später auf den Markt kommen wird. Dabei soll
diese Form viele Jahre modern wirken. Nehmen wir an, dieses Modell wird 6
Jahre lang gebaut und rechnen wir einmal mit einer Lebensdauer von
wenigstens 10 Jahren, so befinden sich die Fahrzeuge noch mindestens zwei
Jahrzehnte nach der Designkonzeption in unserem alltäglichen Straßenbild.
Auch dann soll man einen
Mercedes noch nicht „satt“ haben. Er bleibt modern, weil er nie
modisch war. Wie gut so etwas gelingen kann, beweisen gerade auch zeitlose
Evergreens wie die frühere
Mercedes E Klasse- oder SL- Modellreihen. Was für das Seriendesign
gilt, potenziert sich im Advanced Design, das im „Quantensprung“
Designideen für die übernächsten Modellgenerationen entwickelt. Oder
neuartige Mobile für futuristische Verkehrsszenarien entwirft, die es im
traditionellen Modellprogramm noch gar nicht gibt. „spinnen“, hier sollen
sie es sogar. Sozusagen von Berufs wegen“, sagt Harald Leschke, Chef in
Sachen Advanced Design.
Das Seriendesign mit seinen Zwängen durch ein exakt definierten
Lastenheft, durch fertigungstechnische Gegebenheiten oder gesetzliche
Vorschriften muß sehr zielgerichtet auf ein bestimmtes Nachfolgemodell
hinarbeiten. Zweifelsohne eine kreative Herausforderung, die allerdings
kaum einen Freiraum für Gedankenflüge lässt, die sich nicht an der
konkreten Aufgabe orientieren. Doch gerade eine solche Spielwiese der
Ideen ist wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit
zu sichern. In keinem anderen Industriezweig besitzt das Design einen
ähnlich hohen Stellenwert wie im Automobilbau, dessen Produkte über die
Funktion hinaus hohe ästhetische Ansprüche erfüllen sollen. Wer sich hier
nicht frühzeitig auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet, nur im jeweils
nächsten Modellzyklus, nur im jeweils nächsten Modellzyklus denkt, bleibt
bald auf der Standspur zurück. Mercedes Test und Mercedes Entwicklung
gehen hier Hand in Hand.
Jeder namhafte Automobilhersteller hat heute seine vom Tagesgeschäft
völlig losgelösten Vordenker im Designbereich. Nicht etwa weil es ihnen
ein Bedürfnis ist, ein paar flippige Traumtänzer zu fördern, sondern weil
dies als notwendige Unternehmensstrategie erkannt wurde. Advanced Design
bei Mercedes- Benz bedeutet dabei allerdings etwas ganz besonders: Auch
ein Mercedes E Klasse der Zukunft soll ein Mercedes sein. Er soll
zumindest durch Chiffren der Formensprache Markenidentiät vermitteln,
mercedes- typische Werte visualisieren und den Anspruch auf die
Spitzenposition fortschreiben.
Das kleine Team um Harald Leschke sieht in dieser Aufgabe jedoch keine
Beschränkung, die ja dem Sinn von Advanced Design wiederspräche, sondern
die reizvolle Zielsetzung, „ganz einfach besser“ zu sein. Auf drei Ebenen
wird dieses nicht gerade bescheidene Ziel verfolgt. Einmal entwickeln die
Designfuturisten auf der Basis des aktuellen Pkw- und Nutzfahrzeug-
Programms die (über-) übernächsten Generationen. Überlegen, wie ein SL-
Roadster oder ein Stadtbus in 20 Jahren aussehen könnte, wenn sie eben ein
Mercedes Oldtimer sind. Ein anderer Denkansatz liegt den
forschungsorientierten Projekten zugrunde. Hier geht es nicht um
typgebundene Konzepte im Rahmen klassischer Modellhierarchien, sondern im
innovatives Design, das in enger Verzahnung mit Erkenntnissen und
Denkmodellen der Fahrzeug- Forschung ensteht. Neue Technologien,
alternative Antrieb, neue Lösungen in funktionellen Details, in der
Ergonomie, Aerodynamik oder Sicherheit bedingen oder ermöglichen neue Wege
des Designs.
Ähnlich verhält es sich bei Projekten, die sich nicht isoliert auf das
Fahrzeug konzentrieren, sondern ein komplexes Umfeld entwerfen, in dem die
Fahrzeuge nur ein Teil eines mehrdimensionalen Szenariums sind. So sind
Advanced Design und Forschung letztendlich kaum zu trennen. Hier denkt
noch keiner daran, das das Fahrzeug einmal ein
Mercedes Youngtimer oder ein Mercedes Oldtimer wird.
Die dritte Art der Annäherung an neue
Designstudien sind die freien Arbeiten, die Leschke die
„Superspinnereien“ nennt. Das ist dann Design pur, schiere Kreativität.
Allein die Phantasie des Designers führt den Zeichenstift, direkt und
ungefiltert. Dabei ist freilich keineswegs ausgeschlossen, das ein
Entwurf, der heute noch als reine Spinnerei erscheint, morgen Denkanstöße
für neue Techniken oder Fertigungsmethoden liefert. So unterschiedlich
diese drei Arbeitsweisen des Advanced Designs auch anmuten, sie erfüllen
alle den Zweck, ein Reservoir an Ideen zu schaffen, ein Kapital an
innovativem Design anzuhäufen, das sich verzinst und das man später in
konkretere Lösungen investieren kann, eben Ideen, die auch auf
Mercedes Treffen gesponnen werde.. Ganz „nebenbei“ werden
experimentell neue Methoden und Strategien zu Arbeitsabläufen und
Designprozessen entwickelt, die mitunter – nach erfolgreicher Testphase –
auch in das Seriendesign einfließen. Eine Art Verfahrensentwicklung im
Designbereich.
Ein Traumjob?
Arbeit im Advanced Design – ein Traumjob? Leschke zögert. Wer gibt dies
schon gerne zu, wer hat nich auch ein wenig Skrupel, Neidgefühle zu
erwecken? „Ja eigentlich schon“, sagt er schließlich zögernd. Zum Traumjob
gehört bei dieser Gruppe nicht allein die für jeden Designer gewiß
verführerische Aufgabenstellung. Dazu zählt auch, das in diesem Team von
„Exoten“ die vielzitierte Chemie stimmt. Sicher, es wird hart diskutiert
und kritisiert, doch man rauft sich stets irgentwie zusammen. Und ist sich
stets irgendwie zusammen. Und ist sich stets bewußt, das dies keine Arbeit
wie jede andere sein kann. Die Aufgaben erfodern ein Team kreativer
Querdenker. Nur scheinbar ein Widerspruch, denn hier verbindet das
Querdenken. Ohne Teamgeist und hohe Motivation lassen sich Projekte wie
das Forschungsauto F 100 oder das Experimentalfahrzeug C 112 Kaum
bewältigen. So entstehen die Mercedes Erlkönige in der Zukunftsversion.
So hat das Advanced Design den F 100 maßgeblich gestaltet. Beim C 112 lag
das Projektmanagemt beim Advanced Design, das dabei gestalterisch für das
Interieur verantwortlich war. Für beide Projekte gab es äußerst enge
Terminvorgaben. Ein
Mercedes Test folgte dem anderen. Nachtschichten waren angesagt
und die Wochenenden waren überwiegend für die anderen da. So kann mitunter
auch das lustvolle Wandeln in der Formenwelt der Zukunft in der real
existierenden Gegenwart ganz schön schweißtreibend sein. Advanced Design
lebt aber auch ganz wesentlich von einer Atmoshäre der Inspiration. Dazu
trägt das Arbeitsklima ebenso bei wie das Umfeld, das anregende Ambiente.
Dies ist wohl einer der Gründe, warum Mercedes- Benz in diesen Tagen bei
Los Angeles ein weiteres Advanced Studio eingerichtet hat.
In dieser Autometropole der Welt hat sich das Automobil schon längst im
kulturellen und gesellschaftlichen Bewusst sein wie nirgendwo sonst
etabliert. Probleme der Massenmotorisierung registrieren die Angelenos
besonders sensibel. Hier gibt es die strengsten Auflagen und die größten
Autofreaks der Welt. Nicht zuletzt kommen erfrischende Designtrends schon
schon geraume Zeit zunehmend von L.A. Nach Europa und Japan.
Ein idealen Reizklima für Advanced Design, das ohne vitale Impulse nicht
leben kann. Also: zurück in die, zurück zum Ursprung der „Dreamcars“? Wohl
kaum. Denn die „Dreamcars“ von morgen dürfen nicht nur schön sein, sie
müssen zugleich überzeugende Antworten auf die großen Herausforderungen
unserer Zeit geben. Vor allem im Hinblick auf Umwelt- und
Ressourcenschonung sowie die Rolle des Individualverkehrs im Rahmen
neuartiger Verkehrssysteme. Styling von einst ist wahrhaft megaout.
Gefragt ist Design, das der mobilen Zukunft neue Formen gibt, eben die
Mercedes Erlkönige der Zukunft.
Quelle: Mercedes Träumereien.
Autor: J. Klostermann v. wupdes.de
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